Doris Homann
 

Interview

Doris Homann, Diplom-Biologin und Waldlehrerin

 

Artenschwund und Insektensterben – das sind im Moment die Themen, die in den Medien gehypt werden. Erst jetzt werden sie offiziell ernst genommen, während sie vorher ignoriert wurden. Dabei wurden wir von Fachleuten seit Jahren gewarnt. Das, was wir jetzt erleben, war vorhersehbar. 

In den 70er-Jahren hat man paradoxerweise mit der Flurbereinigung die Natur von der Natur bereinigt. Die Bäche begradigt oder entwässert, mit viel Aufwand Hecken raus gerissen und Bäume gefällt. Vielen Tieren, so auch den Insekten wurde der Lebensraum genommen und sie sind in die Städte und in die Gärten eingewandert. Die Tiere lernen schnell, dass sie hier Nahrungsquellen finden und dass die Menschen in der Stadt nur bedingt gefährlich sind. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, wenn zwischen grünem Roggen und gelbem Mais nichts anderes mehr wächst und sie keine Nahrung finden. 

So werden unsere Gärten ein wichtiger Lebensraum und Nahrungsquelle für viele Insekten und andere Tiere – wenn wir nicht in einen Garten-Ordnungswahn verfallen, den Vorgarten nicht mit Schotter versteinern und mit dem Kärcher nicht aus jeder Fuge den Rest von Leben wegpusten.  

Holz kann man auch mal liegen lassen, den Bienen eine Wasserstelle geben,  Blüten die Nektar und Pollen enthalten anpflanzen, eine Fläche im Garten anbieten, die nicht regelmäßig gemäht wird. Es braucht nicht viel, um einen naturnahen Garten zu errichten. Das wird sowieso der interessanteste Ort im Garten, nämlich belebter Raum, vielfältig und erlebnisreich.

Wer sich darauf einlässt, kann gar nicht anders als aufmerksam zu werden. Was fliegt da, was summt, wie kommt die dicke Hummel in die Blüte? Man lernt wie von selbst etwas über die Vielfalt der Pflanzen und Tiere kennen und wie alles miteinander verknüpft sind.   

Heilpflanzen- oder Kräuterbeete sind nicht nur Wildbienenparadiese, auch wir können ernten und Tees und Gewürze herstellen. Mancher lernt (wieder), dass man zum Beispiel Tee selbst anpflanzen und ernten kann und nicht nur im Supermarkt kaufen muss. Man lernt, dass der eigene Garten ein Lebensraum für viele sein kann, dass genau das schön ist und Kinder sowie Erwachsene gleichermaßen fasziniert. 

Mit einem Garten kann man gestalten lernen. Er ist die Gegenwelt zum Supermarkt.

Diese Erfahrung machen wir auch in unserem "Quartiergarten in der Geist" mit dem Projekt Gartenkids, an dem 20 Kinder zwischen 3 -13 Jahren teilnehmen. Der Quartiergarten ist ein mehr als 500qm großer Mietergarten der VIVAWEST in Lünen. Erst wurde der Garten gerodet, dann Hochbeete angelegt und schließlich Gemüse gepflanzt. Die Gartenkids wissen, dass man Gemüse selber anbauen kann, dass es gut wächst, wenn man es pflegt und dass es schmeckt. Dass es nicht nur die Supermarkt-Welt gibt, in der alles fix und fertig angeboten wird. Im Prinzip ist der Garten wie ein erweiterter Kindergarten oder Jugendtreff, der allen gut tut. Die Kinder gehen aufeinander ein, lernen miteinander umzugehen – und auch die Eltern lernen sich kennen. Seit kurzem gibt es zusätzlich eine Seniorengruppe, die Gartenfreunde, die uns bei unserer Arbeit mit den Gartenkids unterstützen. Neulich haben wir zusammen Erdbeeren gepflückt, dabei Geschichten erzählt, Lieder gesungen und alle hatten Spaß. Was will man mehr vom Leben?! Dieser Garten wertet das Lebensumfeld der Mieter auf: ganz praktisch und auch im übertragenen Sinn. 

Ein Garten gibt uns die Chance unsere Wahrnehmung zu schulen, Geduld zu lernen, ausdauernd zu sein. Auch: Das Wissen über die Natur nicht aus der Dose zu lernen, sondern selbst zu erfahren. Wer schon mal schlafende Wildbienen in einer Glockenblume gesehen hat, der versteht oder fühlt sogar, wovon ich spreche. Man lernt vielleicht nicht alles, aber man erkennt, dass alles miteinander vernetzt ist. Man versteht, was ganzheitlich zu denken bedeutet. Dafür benötigt man nicht nur den Verstand, auch das Herz und die Sinne. Kann man alles im Garten finden.

Die Gartenkids üben schon mal, damit sie sich nachhaltig den Aufgaben der Zukunft stellen können. 

 

 
 

InfoBox

Doris Homann, Diplom-Biologin und Waldlehrerin

 
  • Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland: Freunde der Erde

    Der Bund für Umwelt und Naturschutz (kurz: BUND) setzt sich für den Schutz unserer Natur und Umwelt ein, sodass unsere Erde bewohnbar bleibt. Der BUND arbeitet bundesweit, aber es gibt Orts- und Kreisgruppen, die sich direkt vor Ort in ihrer Region engagieren. Es gibt die Kreisgruppe Unna, die eine Untergliederung des Landesverbands NRW ist. Themen, woraus sich unterschiedliche Projekte ableiten, sind beispielsweise Massentierhaltung oder Atomenergie.

    Mehr zum BUND

    Mehr zur Kreisgruppe Unna

  • Vivawest Stiftung: „Soziale Verantwortung für die Region“

    Vivawest ist einer der führenden Wohnungsanbieter in NRW und ermöglicht etwa 300.000 Menschen ein Zuhause. Die Vivawest Stiftung ist gemeinnützig und stellt das Ziel in den Vordergrund, nachbarschaftliche Verhältnisse zu stärken und zu unterstützen. Dabei spielen Alter, Geschlecht, Nationalität oder Kultur keine Rolle. Zu den Maßnahmen und Aktivitäten der Stiftung zählen u.a. das Überlassen von Räumlichkeiten, die Organisation und Finanzierung sozialer Angebote oder die Integrationsförderung.

    Website Vivawest

    Mehr über die Vivawest Stiftung

    Ein Beispiel für eine Aktivität der Stiftung Vivawest findet sich in Lünen. VIVAWEST, HVG Grünflächenmanagement, die Vivawest Stiftung und das Umweltbildungszentrum Waldschule Cappenberg haben gemeinsam das Projekt ‚Gartenkids‘ initiiert, bei dem die Mieterkinder eine riesige Brachfläche bepflanzen, pflegen und sich so nicht nur gegenseitig kennenlernen, sondern auch viel über die Natur erfahren.

    Mehr zu den Gartenkids:

    Vivawest: "Ab ins Beet"

    Vivawest: "Das Einmaleins der Gärtnerei"

  • GWA – Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft im Kreis Unna

    Bereits seit 1993 übernimmt die als Entsorgungsfachbetrieb zertifizierte GWA die Aufgaben der Abfallverwertung und -beseitigung, der Produktion und Vermarktung von Sekundärrohstoffen sowie der Abfallberatung und Öffentlichkeitsarbeit im Kreis Unna. Das Unternehmen setzt dabei hochmoderne, ökologische und effiziente Verwertungs- und Beseitigungssysteme ein. Die Zuständigkeit der GWA liegt nicht nur bei privaten Haushalten im Kreis Unna, sondern auch bei Industrie- und Gewerbebetriebe. Ziele sind u.a. die Gewinnung wertvoller Rohstoffe aus Abfällen oder die schonende Bewirtschaftung von Deponievolumen. Im Vordergrund steht dabei stets nachhaltiges Wirtschaften auf hohem ökologischem Niveau.

    Weitere Informationen auf der Website der GWA

    Darüber hinaus fördert die GWA eine nachhaltige Umwelterziehung, indem sie Abfallberatung in öffentlichen Einrichtungen im Kreis Unna, wie Kindergärten und Schulen, anbietet und aktiv unterstützt. Ein Projekt der GWA ist beispielsweise ‚Willi Wurm‘, bei dem den Kindern sowohl das Vermeiden von als auch der richtige Umgang mit Abfällen nahe gebracht wird.

    Flyer zu Angeboten der Abfallberatung in Kindertagesstätten

    Website Willi Wurm

  • Naturschutzbund Kreisverband Unna e.V.

    Der Naturschutzbund (NABU) Kreisverband Unna und seine Mitglieder engagieren sich u.a. für den Schutz und Erhalt von Wildbienen, Wespen, Fledermäuse und Schmetterlinge und viele weitere Tiere. Auch zu den Aufgaben der NABU Unna zählen Artenschutz, Pflegearbeiten oder der Erwerb von Grundstücken zur Flächensicherung. Der NABU heißt alle Interessierten, die an Exkursionen oder Veranstaltungen teilnehmen möchte, willkommen, um noch mehr über die Pflanzen- und Tierwelt zu erfahren.

    Website NABU Unna

  • Ein inspirierendes Beispiel: Garten Fräulein

    Eine leidenschaftliche und kreative Hobbygärtnerin teilt ihre Tipps, Erfahrungen und Ideen auf ihrem Garten-Blog. Dort zeigt sie nicht nur ihren Garten und Balkon, sondern auch Rezepte, wie sie z.B. aus ihren Gartenkräutern einen Tee zubereitet.

    Hier geht es zu ihrem Blog

 

 

Fotos

naturnaher Garten