Schülerinnen der Costa Rica AG
 

Interview

Costa Rica AG und Gerald Schulz (Lehrer, Leiter der AG), Ernst-Barlach-Gymnasium Unna

 

Seit 2008 fliegen Schülerinnen und Schüler des Ernst-Barlach-Gymnasiums in den Sommerferien nach Costa Rica und nehmen dort an einem Sprach- und Kulturaustauschprogramm teil. Sie unterstützen das Aufforstungsprojekt und soziale Projekte der Costa Rica AG.

Der „Bosque Unna“ ist nicht in Unna beheimatet, sondern im Norden Costa Ricas, an der Grenze zu Nicaragua. In Unna wird das Geld gesammelt und in Costa Rica investiert – und zwar in Aufforstung und in Bildung. Die Gruppen vom Ernst-Barlach-Gymnasium, die  nach San José in die Sprachschule fliegen, pflanzen während des Aufenthalts durchschnittlich 1000 Bäume. Inzwischen gibt es bereits große ausgewachsene Bäume auf einer Fläche, die früher Weideland war. Diese Bäume entsprechen dem CO2 Ausgleich für unsere Flugreise und helfen Costa Rica, das seit 1982 ein großes Naturschutz-Programm gestartet hat: inzwischen sind von ehemals 25% bewaldeter Fläche wieder 60% aufgeforstet – und zwar mit einheimischem Mischwald und nicht mit Teak, um illegalen Holzfällern keinen Anreiz zu bieten.

In unmittelbarer Nähe des „Bosque Unna“ gibt es eine Grundschule, denen wir Fördermittel zur Verfügung stellen, z.B. für die Anschaffung von Schulbüchern. Das entspricht unserer 50:50 Strategie: 50% für den Wald, 50% für die Menschen. Für uns als beteiligte Schüler*innen ist es berührend zu spüren, wie stark sich die Kinder freuen, dass es auf der anderen Seite der Erde Menschen gibt, die an sie denken und  versuchen, ihre Schulbildung zu fördern, sie in ihrem weiteren Lebensverlauf zu unterstützen.

In der Hauptstadt San José unterstützen wir ein Kinderheim, das in einem Ghetto liegt. Hier helfen wir das Schulessen zu finanzieren und manchmal auch eine öffentliche Armenküche.  Denn sieben Tage ohne warmes Essen sind durchaus eine Realität. Das wichtigste, was wir dabei lernen, lässt sich in zwei Worte fassen: pura vida. Das bedeutet so etwas wie unbeschwert und glücklich leben. Und das in einer Situation, die wir als „Elendsviertel“ bezeichnen würden, begegnen uns Herzlichkeit  und pure Freude über das, wofür wir das ganze Jahr sparen und Geld zusammen sammeln.  Während wir uns hier Gedanken über z.B. die Farbe des Nagellacks machen, können wir dort erleben, wie viel es ausmacht, wenn Kinder oder Erwachsene das Gefühl haben:  auch uns wird geholfen, wir sind nicht allein, wir sind nicht verloren, wir können uns weiterentwickeln. Dadurch motivieren wir sie, sich eigene Ziele zu setzen und geben ihnen Kraft, weiteren Menschen zu helfen, denen es wiederum schlechter geht als ihnen selbst. Wir lernen also nicht nur unser Spanisch zu verbessern, sondern auch das Land und die Menschen kennen – und: uns in andere Kulturen und deren Denkweise hinein zu versetzen.

Die Freude, etwas geben zu können und zu sehen, dass unsere Unterstützung wirkt, schlägt alle iPads dieser Welt.

Dieses Gefühl motiviert uns, in unserer Freizeit unser Bestes zu geben, auch bei minus 3 Grad auf dem Weihnachtsmarkt Waffeln zu backen  oder bei Sturm und Regen in Unna Geld zu sammeln.

Wir möchten gerne eine Klimapartnerschaft zwischen der Stadt Unna und einer costaricanischen Gemeinde initiieren. Das ist ein Programm, das mit 250.000 – 500.000 € vom Bund gesponsert wird und in dem sich Expert*innen aus beiden Ländern gegenseitig besuchen, beraten  und die Situation vergleichen.  Im Rat der Stadt Unna fand unser Anliegen zwar parteiübergreifend Unterstützung, in Absprache mit der Verwaltung wurde entschieden, den Klimaschutz im europäischen Kontext umzusetzen. Wir werden es in 2020 nochmal auf Kreisebene probieren und hoffen, dass wir Glück haben, eine richtige Klimapartnerschaft zu entwickeln.

 

Das Interview wurde mit verschiedenen Schüler*innen der Costa Rica AG und dem Lehrer Gerald Schulz geführt. Um der besseren Lesbarkeit willen sind die einzelnen Beiträge nicht erkennbar.

 

 
 

InfoBox

Gerald Schulz und Schüler*innen der Costa-Rica-AG des Ernst-Barlach-Gymnasiums

 
  • Das Projekt „Bosque Unna“ der Costa Rica-AG des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Unna

    Das Projekt „Bosque Unna“, also „Unna-Wald“, ein Projekt der Costa Rica-AG des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Unna bei dem Bäume in einem kleinen Dorf in Costa Rica gepflanzt werden, wurde von der Bayer Cares Foundation ausgezeichnet. Marie Welter von der Bayer Cares Foundation, der Bürgermeister Werner Kolter, der Bundestagsabgeordnete Oliver Kaczmarek sowie Angelika Chur als Vertreterin des Landrates waren Gäste bei der Übergabe der Förderurkunde und gratulierten den engagierten Teilnehmenden des Projekts „Bosque Unna“. Der Lehrer Gerald Schulz hat die Partnerschaft zwischen dem Ernst-Barlach-Gymnasium in Unna und dem Dorf Boca Tapada engagiert initiiert. Mit Hilfe dieses Projekts wird ein Bewusstsein für ehrenamtliches Engagement und für Klimaschutz bei den jungen Schüler*innen geweckt.

  • Videos zum Sponsorenprojekt Costa Rica 2017 und 2018

    Dieses Video zeigt die Schüler*innen des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Unna beim Besuch im Kinderheim Obras del Espiritu Santo im Jahr 2018. Die Schüler*innen überreichen die in den vorherigen Monaten gesammelten Spenden an das Kinderheim.

    In diesem Video ist die Baumpflanz Aktion für den „Bosque Unna“ aus dem Jahr 2017 zu sehen. Schüler*innen des Ernst-Barlach-Gymnasiums pflanzten erneut 1000 neue Bäume in Boca Tapada, San Carlos in Costa Rica.

  • Das Programm weltwärts – der entwicklungspolitische Freiwilligendienst

    Das Programm weltwärts, durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 2008 ins Leben gerufen, gibt Menschen zwischen 18 und 28 Jahren die Chance, einen Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland zu leisten. Sie engagieren sich zwischen sechs und 24 Monaten bei einer lokalen Partnerorganisation für Bildung, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft, Kultur oder Menschenrechte.

 

 

Fotos

Die Costa-Rica-AG des Ernst-Barlach-Gymnasiums beim Sammeln von Spendengeldern