Daniela Zellmann
 

Interview

Daniela Zellmann, nachhaltige Aufmöblerin

 

Ich war 20 Jahre Beamtin im gehobenen, nicht-technischen Verwaltungsdienst. Aber nicht wirklich glücklich mit der Tätigkeit und hatte bereits als Kind diese Leidenschaft, Möbel aufzuarbeiten, während ich meiner Mutter dabei zusah. Handwerklich bin ich Autodidaktin. Am schönsten finde ich es, eigene Sachen anzufertigen – sei es eine Lampe aus Restholz oder mit Birkenstämmen etwas Eigenes zu kreieren. Das klappt nicht immer, weil ich es nicht gelernt habe. Aber ich versuche, mir alle handwerklichen Tätigkeiten anzueignen. Da ist das Internet sehr dienlich, es gibt viele Informationen, Videos und Anleitungen.

Meine Kreativität geht in verschiedene Richtungen:  Als „Möbelrückerin“ biete ich an, mit vorhandenem Inventar neue Räume zu schaffen oder eben auch Dinge aus dem Keller bzw. der Garage zu reaktivieren. Ich fertige für Gastronomen oder Betriebsfeiern Event-Dekorationen. Dann bin ich noch Yoga-Lehrerin und leite wöchentlich fünf Yoga-Kurse in Lünen.

Bei allem geht es mir um einen achtsamen Umgang mit Ressourcen, sie zu sparen oder wiederzuverwenden.

aufgemöbelt: Das Wort erlebt im Moment eine Renaissance. Einerseits bedeutet es einen Raum aufzumöbeln, dann Stücke, Möbelstücke aufmöbeln, denen ein neues Gesicht verleihen oder wieder zurück in den Ursprungszustand bringen. Dann auch „sich selbst aufmöbeln“, im Sinne von sich-schick-machen. Deswegen gibt es auch Second Hand Kleidung – und auch: andere aufmöbeln. Vielleicht durch ein kleines Geschenk bzw. eine Kleinigkeit aus dem Laden.

Entgegen unserer Wegwerf-Gesellschaft wirklich Ressourcen zu schonen. Wenn ein ganzes Möbelstück nicht mehr zu verwenden ist, weil es z.B. einen Wasserschaden hat, dann vielleicht noch die Schlösser oder Türen.

Bei mir hat sich dieses Denken durchgesetzt, als ich angefangen habe, Yoga auszuüben. Seit 2015 bin ich Yoga-Lehrerin und gebe eigene Kurse. Yoga schult ja die Achtsamkeit und das Bewusstsein im Umgang mit allem – egal, ob es jetzt ein Möbelstück oder der Mensch ist. Wenn man ganz bewusst bei etwas ist, geht man achtsamer mit dem um, was man hat. Ich bin nicht perfekt, es ist ein Weg und jeder kleine Schritt zählt. Jede*r kann einen Teil beitragen, Ressourcen zu schonen.

Dieses Bewusstsein ist inzwischen doch bei vielen geweckt, was mir natürlich in die Hände spielt. Ich bin sehr zufrieden, dass sich der Laden bereits nach knapp drei Jahren finanziell trägt. Zugute kommen mir auch die aktuellen Stilrichtungen, die sich im Bereich des Wohnens entwickeln, wie Shabby Chic, Vintage, Retro-Look oder dass Möbel der Midcentury, also 50er, 60er, 70er Jahre gefragt sind.

Raus aus den Schein-Landschaften der anonymen Welt, in der die Sachen virtuell schön aussehen und Zuhause nicht reinpassen. Bei mir können die Kund*innen sich die Möbel auch erst mal Zuhause hinstellen und wenn es nicht passt, zurückbringen.

Meine Kund*innen sind gleichermaßen Männer und Frauen aus allen Altersklassen und sozialen Situationen. Vielen geht es nicht in erster Linie darum, Geld zu sparen, sondern Ressourcen zu nutzen. Zudem schätzen sie es, dass sie hier etwas anfassen, sehen, fühlen können, dass wir kommunizieren oder einen Kaffee, ein Glas Wasser zusammen trinken können, dass man sich auch austauscht. Entgegen der anonymen Welt möchte ich mit meinem Laden auch den regionalen Gedanken unterstützen, dass ich tatsächlich alles, was in Lünen ist, unterstütze und es hier halte.

So beteilige ich mich z.B. bei den Food Sharer`n, die in Lünen sehr aktiv sind. Hier werden einfach und kostenlos Lebensmittel weitergegeben, um sie nicht wegzuwerfen.

Gut fände ich auch im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn die innerstädtischen gewerblichen Mieten fair wären, anstatt Leerstände zu akzeptieren, weil es ein Abschreibungsobjekt ist.  So sterben unsere Innenstädte, was man auch bereits in Lünen sieht.

Ich möchte in allem nachhaltig bleiben. Es gehört alles dazu. Ich konzentriere mich auf den bewussten Umgang mit allem, was wir haben. Eben einfach nicht mehr zu verbrauchen, als da ist. Aus diesem Anfangsgedanken ist alles entstanden und entwickelt sich stetig weiter.

 

 
 

InfoBox

Daniela Zellmann, Inhaberin des Geschäfts ‘aufgemöbelt’

 
  • Die Möbelrückerin

    ‚Die Möbelrückerin‘ ist also kein Umzugsunternehmen, sondern bietet die Möglichkeit, die eigenen vier Wände ästhetisch unter kompetenter Beratung individuell zu verändern. Nachhaltigkeit, Re- und Upcycling sowie die eigene Individualität stehen dabei im Zentrum der Arbeit der Möbelrückerin.

    Website der Möbelrückerin

  • Ressourcen schonen: Tipps für den Alltag

    Dana Zellmann geht als Vorbild, im Hinblick auf nachhaltig Ressourcen zu schonen, hervor, indem sie upcycelt, also wiederverwertet. Scheinbar nutzlose Abfälle bzw. Stoffe werden genutzt, um in neuwertige Produkte umgewandelt zu werden, sodass Ressourcen geschont werden.

    Ergebnisse des Living Planet Report des WWF, eine globale Bestandsaufnahme über den Zustand der Welt, verdeutlichen die Dringlichkeit und Notwendigkeit, denn der Report kam zu dem Ergebnis: Wir verbrauchen viel zu viele Ressourcen. Im Jahr 2012 verbrauchte die Menschheit Ressourcen und Leistungen von 1,6 Erden auf.

    Eine deutsche Kurzfassung des Living Planet Report 2016

    Der WWF gibt daher simple Tipps für den Alltag, wie man Ressourcen schonen und das Leben nachhaltiger gestalten kann. Es ist wichtig und nötig, dass jede*r Einzelne aktiv wird. Beispielsweise werden Tipps zur Plastikvermeidung oder zum Energie sparen an die Hand gegeben.

    Tipps des WWF

  • Zukunft.Wohnen im Kreis Unna

    Bei der Gestaltung der Zukunft der Region bzw. des Kreises Unna spielt Stadtentwicklung und Wohnen eine zentrale Rolle – v.a. angesichts der steigenden Mietpreise und Wohnungsknappheit. Ziel ist es, den Kreis Unna auch weiterhin als einen attraktiven Wohn- und Lebensstandort zu erhalten und weiterzuentwickeln. Dazu gehört es auch, Rahmenbedingungen für eine positive Entwicklung der Quartiere zu gestalten.

    Mehr Informationen zu Zukunft.Wohnen im Kreis Unna

    Zukunft.Wohnen im Kreis Unna. Veränderungen aktiv gestalten! Dokumentation der Konferenz am 4. Dezember 2012

    Was im Besonderen gutes Wohnen für Familien ausmacht bzw. bedeutet, wollte das Handlungsfeld Wohnen und Leben im Bündnis für Familie Kreis Unna herausfinden und zeichnete sechs Best Practice-Beispiele 2017 bei einer öffentlichen Veranstaltung aus. Darunter befanden sich Wohnprojekte aus Schwerte, Lünen und Unna. Beispielsweise wurde eine Solarsiedlung oder ein gefördertes Einfamilienhaus zur Miete für Familien mit Kindern ausgezeichnet. Von zentraler Bedeutung war dabei die Familienfreundlichkeit und Nachhaltigkeit, um auf zentrale gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren und den Lebensraum sowie die Wohn- und Wohnumfeldbedingungen zu verbessern. Auch für das Jahr 2018 setzt das Bündnis für Familie die Suche nach guten Beispielen im Bereich Wohnen fort.

    Vorstellung der Best Practice-Beispiele

  • Online-Handel als Konkurrenz für viele Geschäfte

    Zur Zeit der Digitalisierung boomt der Online-Handel, dessen Umsätze rasant gestiegen sind und weiterhin wachsen. Das hat u.a. Auswirkungen auf den klassischen, stationären Einzelhandel – mögliche Konsequenzen können sogar Ladenschließungen bedeuten. Aber der gestiegene Online-Handel wirkt sich auch auf die Umwelt aus. Deutschland ist im europäischen Vergleich weit vorne, was die Retourenquote von Paketen, die online geshoppt wurden, angeht. In der Modebranche geht sogar jedes zweite Paket wieder zurück. Gerade diese hohe Retourenquote verursacht große Mengen an Treibhausgasen und ist somit schädlich für die Umwelt.

    SWR: Onlineshopping und seine Folgen

    Handelsblatt: Die Schattenseiten des Online-Handels

 

 

Fotos

Das Geschäft ‘aufgemöbelt’ und die Werkstatt von Daniela Zellmann